ANJA SCHULTES

Fehlzeiten in Unternehmen reduzieren – 10 Sofortmaßnahmen

Wie Sie Krankheitsfälle in Ihrem Unternehmen minimieren

Fehlzeiten sind mittlerweile eins der größten Probleme, nicht nur für deutsche Unternehmen, sondern ebenso für Unternehmen in Österreich, Südtirol und der Schweiz. Umso wichtiger ist es, dass Firmen anfangen, aufkommenden Krankheitsfällen entgegenzuwirken und der Gesundheit von Mitarbeitern vorzubeugen. Die Strategien können je nach Betrieb unterschiedlich sein, allerdings haben sich in meiner Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Kunden einige Maßnahmen ergeben, die auch seitens der Krankenkassen empfohlen werden, um Fehlzeiten in Unternehmen zu minimieren.

Vorab gilt es hierbei festzustellen, ob die Krankheitsfälle eine strukturelle Ursache hat, oder einzelne Mitarbeiter besonders anfällig sind, was die Fehlzeiten betrifft. Ich empfehle daher eine vorgelagerte Analyse, bevor  individuelle und betriebsweite Aktionen durchgeführt werden.

Folgende 10 Maßnahmen können helfen, die Krankheitsfälle in Ihrem Unternehmen zu reduzieren:

1. Einschätzen der Mitarbeiter

Hier ist Ursachenforschung gefragt. Man versucht den eigentlich Grund für die Fehlzeiten der Mitarbeiter ausfindig zu machen. Richtig gestellte Fragen können hierbei wichtige Auskunft darüber geben, ob gewisse Belastungen, empfundener Stress oder andere Gründe für die Unzufriedenheit eines Mitarbeiters verantwortlich sind oder, ob es wirklich eine Krankheit ist, die die Ursache für die Abwesenheit ist. Regelmäßig stattfindende Gespräche sind hierbei essentiell.

2. Für Flexibilität sorgen

Anpassungsfähigkeit ist eine gute Möglichkeit um Mitarbeiterzufriedenheit zu schaffen und Fehlzeiten zu senken. Grundsätzlich sind in diesem Fall alle Möglichkeiten verschiedener Arbeitszeitmodelle in Betracht zu ziehen. Gleitende Arbeitszeit oder die Möglichkeit von Heimarbeit sind nur zwei Perspektiven, um die Zufriedenheit der Mitarbeiter zu steigern und somit dem bewussten Fehlbleiben entgegenzusteuern.

3. Nach Arbeitsschluss keine Anrufe

Ständige Erreichbarkeit ist keine gute Voraussetzung, um Stress abzubauen und Mitarbeitern das Gefühl von Feierabend zu vermitteln. Mitarbeiter sollten ihre Freizeit dazu nutzen, um sich zu erholen und zu entspannen. Die Freizeit muss ein Ausgleich zum Arbeitsstress darstellen. Ständige Erreichbarkeit führt mittel bis langfristig dazu, dass Mitarbeiter nicht mehr abschalten können. Dies hat in den meisten Fällen das Ergebnis, dass Ihre Mitarbeiter entweder ausgebrannt oder gar nicht mehr zur Arbeit kommen.

4. Optimale Auslastung schaffen

Aufbauend auf der oben genannten Maßnahmen, gilt es grundsätzlich die Auslastung und Arbeitsbelastung Ihrer Mitarbeiter auf den Prüfstand zu stellen. Nicht umsonst ist es aus betriebswirtschaftlicher Sicht ein Grundgesetzt, dass die optimale Auslastung in Unternehmen zwischen 80-90% liegen sollte, sodass nicht nur schnell reagiert werden kann, wenn ungeplante Zwischenfälle auftreten, sondern auch, um eine Überbelastung von Mitarbeitern zu vermeiden.

5. Hilfe für Mitarbeiter, die Angehörige pflegen

Angehörige zu Hause pflegen zu müssen kann ein Grund für Fehlzeiten sein und ist für den Betroffenen eine enorme körperliche und auch psychische Belastung. Reagieren Sie als Arbeitgeber rechtzeitig und greifen Sie dem entsprechenden Mitarbeiter unter die Arme. Eventuell ist es möglich, diesbezüglich über einen Teilzeit-Job zu sprechen. Glauben Sie mir, Ihr Mitarbeiter wird es Ihnen danken.

6. Belohnungen anbieten

Sie können Mitarbeitern, die kaum krank sind, Belohnungen in Form von extra Urlaub oder Sachzuwendungen anbieten. Sie erhöhen damit nicht nur den Ansporn bei der Arbeit zu erscheinen, sondern positionieren sich gleichzeitig auch als attraktiver Arbeitgeber, was Ihnen in Zeiten des Fachkräftemangels, in Bezug der Mitarbeiterbindung, ebenfalls zugutekommt. Ein Gutschein bietet sich hierbei in der Regel am besten an, da sie als steuerfreie Sachbezüge gelten.

Gutscheine werden als steuerlich begünstigte Zuwendungen des Arbeitgebers eingestuft und können somit bis zu einer Höhe von 44 € pro Monat steuer- und sozialversicherungsfrei an Arbeitnehmer verteilt werden.

7. Ernsthafte Krankheitsfälle akzeptieren

Sind Mitarbeiter ernsthaft erkrankt, ergibt es kaum Sinn, wenn Sie dennoch im Unternehmen erscheinen. Das gilt vor allem bei ansteckenden Krankheiten. Auch Angestellte, die zwar körperlich fit scheinen, aber mit psychischen Problemen kämpfen und somit kaum Leistung erbringen können, sind letztendlich kontraproduktiv. Hier ist es in jedem Fall besser, dass der Einzelne seine Krankheit vollständig auskuriert und erst dann wieder im Unternehmen präsent ist.

8. Nach der Rückkehr Gespräch führen

Kehrt ein kranker Mitarbeiter nach Genesung an seinen Arbeitsplatz zurück, sollten Sie mit Ihrem Mitarbeiter ein sogenanntes Rückkehrgespräch führen. Ihr Mitarbeiter realisiert somit nochmals eindringlich, dass er gefehlt hat. Hier ergeben lobende Worte Sinn und das klare Signal, dass seine Anwesenheit und seine Leistungen geschätzt werden. Das sorgt für einen zusätzlichen Motivationsschub. Vermeiden Sie es allerdings, dass ein Fehlzeitengespräche der einzige Kontakt ist, den Sie mit dem Angestellten haben.

Merken Sie als Vorgesetzter, dass der Mitarbeiter immer Montags oder nur tageweise krank ist, führen Sie auch hierbei ein Gespräch. Setzen Sie allerdings klare Grenzen. Es bringt nichts, wenn Sie mit Ihrem Mitarbeiter jede Woche das gleiche Rückkehrgespräch führen, weil dieser jede Woche aufs Neue fehlt. Setzen Sie in diesem Fall eher auf eine klare Aussprache und versuchen Sie den wahren Grund für das Fehlen zu erfahren.

9. Gesundheit ist ein wichtiges Thema

Ist der Krankenstand in ihrem Unternehmen besonders hoch, ist es ratsam, Ihre Mitarbeiter zu einem aktiven gesundheitsbewussten Lebenswandel aufzufordern. Es dabei Sinn, klare, kurze Zeiteinheiten während der Arbeitszeit einzuführen, um über einen gesunden Lebensstil aufzuklären und einfache Entspannungsübungen oder körperliche Bewegungen zu ermöglichen. Die Unterstützung von externen Beratern haben sich in diesem Zusammenhang besonders effektiv gezeigt.

Betriebliche Kochkurse mit einem Profikoch, Aufklärung über gesunde Ernährung oder Firmenläufe können ebenfalls helfen, die Aktivität und das Gesundheitsbewusstsein in Ihrem Unternehmen zu fördern.

10. Gesundheitsprogramme fördern

Aufbauend auf der vorgenannten Maßnahme, ist es bewiesen, dass Gesundheitsprogramme im Allgemeinen äußerst effektiv sind. So haben Krankenkassen errechnet, dass der Krankenstand von Mitarbeitern, die aktiv an Fitness- oder Gesundheitsprogrammen teilnehmen um bis zu 36 Prozent niedriger ist. Nicht umsonst, werde ich selber immer wieder von Unternehmen gebeten, Mitarbeiter und Führungsebene zu unterstützen und gemeinsam Maßnahmen zu etablieren, die dafür sorgen, dass im entsprechenden Unternehmen weniger Krankheitsfälle eintreten und mehr Motivation sowie Energie herrschen.

Setzen Sie daher auf Gesundheitsprogramme, die präventiv dafür sorgen und im Kern so funktionieren, dass Ihre Mitarbeiter auf sich achten und die Wichtigkeit Ihrer Gesundheit nicht nur für sich selbst, sondern auch für das Unternehmen, erkennen.

Letztlich sollte es das Ziel jedes Unternehmens sein, Krankheitsfälle zu minimieren und dadurch einen geordneten Arbeitsablauf im Betrieb zu gewährleisten. Was hierbei ebenfalls nicht unterschätzt werden sollte, ist der Aspekt des Betriebsklimas. Nur wenn im Betrieb ein gutes Arbeitsklima herrscht, kann unnötiger Stress vermieden werden. Herrscht gutes Betriebsklima, gehen Mitarbeiter gewöhnlich gerne zur Arbeit.

 

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